Die Stadt unter dem See
Niemand erinnerte sich daran, wann der Vetra-See in der Nacht zu leuchten begann. Tagsüber sah es völlig normal aus: dunkles Wasser, Berge, die sich auf der Oberfläche spiegelten, und ein paar alte Boote, die am Dock festgemacht waren. Doch kaum war es Mitternacht, erschienen aus dem Hintergrund kleine grüne Lichter, die wie Straßen angeordnet waren.
Eines Abends beschloss Tommaso zu tauchen.
Es sank langsam, bis der Lärm der Welt vollständig verschwunden war. Etwa zwanzig Meter tief sah er etwas, das nicht hätte existieren dürfen: Dächer, Türme, erleuchtete Fenster.
Unter dem See befand sich eine ganze Stadt.
Die Türen der Häuser standen offen und auf den Plätzen wuchsen Bäume mit durchsichtigen Blättern. Es waren keine Menschen da, aber alles schien noch bewohnt zu sein. Auf einem großen Gebäude im Zentrum der Stadt war ein Symbol eingraviert, das mit dem identisch war, das Tommaso immer auf dem alten Ring getragen hatte, den er von seinem Großvater geerbt hatte.
Als er seine Hand in die Nähe des Eingangs legte, öffnete sich die Tür.
Eine ruhige Stimme kam von drinnen.
„Du bist endlich zurück.“
Tommaso blieb still.
Er war noch nie dort gewesen.
Zumindest erinnerte er sich daran.

